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Elligham Academy - Was geschah mit Alice?

Elligham Academy 1Maureen Johnson: Elligham Academy. Was geschah mit Alice? Übersetzt aus dem Amerikanischen von Sandra Knuffinke & Jessika Komina. (Originaltitel Truly Devious. Harper Collins 2018). Bindlach: Loewe. 2019.

Maureen Johnson

Sandra Knuffinke & Jessika Komina

„Willkommen in der Ellingham Academy!
Versteckt in den Bergen Vermonts ist die Privatschule der ideale Ort für die begabtesten Schüler des Landes – Bestsellerautoren, YouTube-Stars, Künstler, Erfinder. Doch das Internat umgibt eine tragische Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden Frau und Tochter des Schulgründers entführt. Genau deshalb wird Stevie Bell an der Akademie aufgenommen: Sie soll die bisher ungeklärte Ellingham-Affäre lösen. Und schon bald erhält sie eine mysteriöse Botschaft, die einen Mord ankündigt. Als ein Schüler kurz darauf tot aufgefunden wird, ist Stevie überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Todesfall und den Verbrechen aus der Vergangenheit gibt.

Stevie Bell ist ein großer Fan von Sherlock Holmes und Agatha Christie. Aber noch viel mehr begeistern sie reale Kriminalfälle – wie die bisher ungelöste Ellingham-Affäre. Als Schülerin der exklusiven Ellingham Academy kann sie endlich selbst am Schauplatz der legendären Entführung ermitteln. Doch als ein Mitschüler ums Leben kommt, muss Stevie nicht nur das Verbrechen von damals aufklären.

Vor atmosphärischer Internatskulisse erzählt Bestsellerautorin Maureen Johnson eine spannende Geschichte von Mord und Mystery, die vor Charme, Witz und zarter Romantik sprüht. Ein moderner Kriminalroman für Mädchen ab 13 Jahren. Was geschah mit Alice? ist der erste Band der Ellingham Academy-Trilogie.“ (Loewe)

 

 

Auszeichnungen

Publishers Weekly Best Books of 2018

Chicago Public Library Best of the Best Books 2018, 2019

Goodreads Choice Award Nominee for Young Adult Fiction 2018, 2019

2018 Nerdy Book Club Young Adult Winner

Junior Library Guild Selection 2019

YALSA Best Fiction for Young Adults Nomination 2019

ALA’s Best Fiction for Young Adults Nomination

Im Roman werden zwei zeitliche Erzählebenen (Gegenwart der 2010er Jahre und 1936) durch eine allwissende Erzählinstanz in realistischer Weise dargeboten. Einzelne eingebundene Elemente, etwa Erpresserbriefe, Aktenauszüge oder Verhörprotokolle, sind grafisch abgesetzt. Der Jugendroman ist der erste Teil einer Trilogie. Das Buch ist als Ganzschrift, aber auch in Auszügen sowohl hinsichtlich des Themas als auch dessen Darstellung für den Unterricht sehr empfehlenswert.

 

Hauptfiguren und ihre Begabungen

Ellingham Academy

In der Ellingham Academy treffen viele begabte Figuren aufeinander. Zunächst aber ist die Ellingham Academy selbst nicht nur der Ort des Geschehens, sondern erscheint schon beinahe als eine Figur in diesem Roman. Die Schule liegt in Vermont auf einem abgelegenen Berg. Um dorthin zu kommen, darf man nicht das Auto nehmen, sondern muss mit dem schuleigenen Bus fahren (S. 35). Der Milliardär Ellingham hat die Schule über zehn Jahre erbauen lassen (1928-1938): „Fast ein Jahrhundert lang hatte das Institut kreative Genies, Querdenker und Wegbereiter großer Neuerungen hervorgebracht. Dabei gab es keine Bewerbungsformulare, keine Liste mit Anforderungen und keinerlei Instruktionen, die über ‚Wenn du dich an der Ellingham Academy bewerben möchtest, melde dich‘ hinausgingen.“ (S. 32) Die Schule hat etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Anleihen bei anderen Internatsschulen wie Xavier's School for Gifted Youngsters in der Comicreihe X-Men oder Hogwarts (Harry Potter) werden deutlich.

Die Schule hat einen elitären Charakter. Jedes Jahr werden 50 Schüler*innen aufgenommen: „Die Schule umfasste lediglich zwei Jahrgänge, die elfte und zwölfte Stufe der Highschool. Es gab keine Schulgebühren. Sobald man es einmal hineingeschafft hatte, war alles gratis.“ (S. 32)

Stephanie Bell (Stevie)

Stevie, 16 Jahre alt, ist die Hauptfigur. Stevie interessiert sich für Kriminalfälle, vor allem für True Crime (S. 29). Sie ist eine Außenseiterin, freundschaftliche Beziehungen pflegt sie nur im Netz. Im analogen Leben findet sie wenige Austauschpartner*innen (S. 30). Stevie hat Panikattacken, sie nimmt entsprechende Medikamente (S. 72), seitdem sie zwölf Jahre alt ist (S. 127). Bücher haben auf sie eine therapeutische Wirkung (S. 128).

Der Wechsel an die Ellingham erscheint dadurch wie das Tor in eine andere Welt. Hier hofft sie, endlich Gleichgesinnte zu finden. Die Beziehung zu ihren Eltern ist recht kompliziert. Als sie an der Ellingham Academy ankommen, sagt ihr Vater zu ihr: „Wir sind stolz auf dich. Das weißt du.“ (S. 31) Doch dies erscheint als ein vergiftetes Lob: „Stevie las zwischen den Zeilen die eigentliche Bedeutung dieser Aussage: So sehr wir dich lieben, wir können uns absolut nicht erklären, warum diese Schule ausgerechnet dich angenommen hat, du seltsames Kind.“ (S. 31, hervorgehoben im Original). Die Eltern sind Klimaleugner, verachten die Medien, setzen sich für konservative Republikaner ein (S. 70) – und sind damit ein Gegenpol zu Stevie selbst.

Stevie erlebt sich selbst als eher arm, in der Ellingham Academy bekommt sie Zugriff etwa auf Lebensmittel, die sie sich sonst nicht leisten könnte (S. 168). Als sie mit einer Freundin über ihre Familie spricht, sagt sie: „Ich komme aus ziemlich langweiligen Verhältnissen.“ (S.110) Aber Stevie kann auch benennen, was sie an sich selbst schätzt: „ihre kurzen Haare. Sie mochte ihren Blick, wenn sie die Augen ein wenig verengte, das gab ihm etwas Scharfes, Durchdringendes, ohne verkniffen zu wirken. Sie mochte ihren Mund, weil sie keine Hemmungen hatte, ihn aufzumachen.“ (S. 349)

Mit dem Besuch der neuen Schule hofft sie, ihren Leidenschaften mehr nachgehen zu können. Denn nicht nur ihre Familienverhältnisse werden als beengt beschrieben, auch ihre alte Schule bietet Stevie wenig Entfaltungsmöglichkeiten: „Linoleumflure und summende Leuchtstoffröhren, […] seltene Sternstunden, im Keim erstickt von Langeweile“ (S. 51) – das verbindet Stevie mit ihrer alten Schule.

Ihre Leidenschaft ist Kriminalistik: Sie „hatte einen bescheidenen einzigen Wunsch. Sie wollte einmal in ihrem Leben eine Leiche finden. Natürlich wollte sie niemanden ermorden – nichts lag ihr ferner. Sie wollte lediglich diejenige sein, die herausfand, wie die Leiche zu einer geworden war. Sie wollte Plastikbeutel mit der Aufschrift ‚Beweismittel‘ und einen von diesen Papier-Overalls, wie die Leute von der Spurensicherung sie trugen. Sie wollte in einem Vernehmungsraum sitzen. Sie wollte einen echten Kriminalfall lösen.“ (S. 51)

Die Ellingham Academy bietet hierfür ideale Bedingungen. Denn in den 1930er Jahren sind Alice Ellingham, die Tochter des Milliardärs, und deren Mutter entführt und ermordet worden. Hierüber hat Stevie alles gelesen und möchte den ungelösten Fall endlich knacken.

An der Ellingham Academy wird Stevies Stundenplan individuell zusammengestellt (S. 154). Sie belegt Anatomie, Physiologie, Statistik, Spanisch, Einzelunterricht in Strafrecht und in der Geschichte der amerikanischen Justiz, Yoga, Literatur und Geschichte. Neben diesen Fächern steht ein eigenes begleitendes Projekt. Stevie will hier den Ellingham-Fall lösen (S. 155). Das Projekt wird durch den Vertrauenslehrer angepasst und sie soll sich zunächst mit dem „menschlichen Gesicht“ (S. 159) des Falls vertraut machen.

Die Schule fordert Stevie stark: „Das viele Lesen. Das viele Nachdenken. Das viele Schreiben. Die Wissbegierde. Das Ganze war wie eine akademische Monster-Truck-Rallye.“ (S. 183) Neben dem Akademischen stehen die Begegnungen mit ihren Mitschüler*innen als Herausforderung im Raum. Da ist David, in den sie sich verliebt. Auch wenn die beiden nicht wirklich kompatibel erscheinen (S. 260), entwickelt sich eine komplizierte Liebesbeziehung zwischen ihnen (S. 270). Ein weiterer ist der eher schweigsame (S. 31) und mürrische Nate (S. 76), der schon einen 700-seitigen Fantasy-Roman mit dem Titel ‚Die Mondhell-Chroniken‘ veröffentlicht hat, oder die talentierte Schauspielerin Element Walker (Ellie). Hinzu kommt das Hauspersonal, etwa Security-Larry (S. 84), der nach und nach ihr Freund wird und sie beim Ellingham-Fall berät, oder ihre Hauslehrerin Dr. Nell Pixwell, die sich um Stevie und ihre Freund*innen kümmert.

Das Schulprojekt gewinnt, so viel kann hier gesagt werden, eine Eigendynamik. Gemeinsam mit Ellie und Nate arbeitet Stevie Hayes Major zu, der aus dem Ellingham-Fall einen Film drehen will (S.189). Hayes hat eine eigene zehnteilige Zombie-Serie für das Videoportal Youtube erstellt (S. 55) und verhandelt über einen Hollywood-Film. Er erweist sich als äußerst arrogant und selbstsicher, das Projekt schreitet voran. Dann kommt es zu einem mysteriösen Todesfall während der Dreharbeiten (S. 257).

Stevie als eine der Zeuginnen nimmt eigenständig die Ermittlungen auf, befragt Zeug*innen (S. 400) und wird selbst von der Polizei vernommen. Stevie verfügt über kriminalistisches Fachwissen und ist auch in der Lage, hierüber fachkundig mit der Polizei zu sprechen (S. 269ff.). Gemeinsam mit Nate und Janelle (siehe unten) stürzt sie sich in den neuen Fall.

Janelle Franklin

Janelle wird in der Ellingham Academy zu Stevies bester Freundin. Für Janelle gehören diese Freundschaft und die gemeinsamen Leidenschaften und Begabungen eng zusammen: „Du und ich, wir haben jede unser Ding und wir haben uns.“ (S. 176) Janelle ist „die nationale Schülersprecherin für ‚Growing Stems‘, ein Programm, das junge Menschen ermutigte, sich in den Bereichen Naturwissenschaft, Technik und Mathematik zu engagieren“. (S. 31) Ihre Hobbys sind „basteln und erfinden, löten und schweißen und ihre Pinterest-Seiten zu den Themen Organisationstechniken, Mädchen mit Brille, Jugendbücher, Kaffee, Katzen und so ziemlich jeder TV-Serie.“ (S. 31) Nicht nur durch ihre Interessen hebt sich Janelle deutlich von Stevie ab. Auch familiär verfügt Janelle über ein deutlich größeres ökonomisches, aber auch kulturelles und soziales Kapital. Ihre Eltern sind Ärzte, die Brüder studieren am MIT bzw. in Stanford (S. 74). Dass Janelle lesbisch ist (S. 112), führt seitens Stevie anfangs zu Unsicherheiten, wobei sie eher Angst hat, Janelle an jemanden zu verlieren, als dass die sexuelle Orientierung selbst als Problem eingestuft wird. Vielmehr zeigt sich hier eine unverkrampfte Umgangsform.

Janelle hat eine „forsche, positiv-selbstsichere Art“ (S. 76) und schafft es an vielen Stellen, ihrer Freundin Stevie Halt zu geben. Als es zum Tod während der Dreharbeiten kommt, gerät auch Janelle in Verdacht. Stevie hat also allen Grund, ihre detektivischen Untersuchungen mit aller Gründlichkeit anzustellen.

Figuren-/Begabungsdarstellung

Die Erzählung umspannt zwei Handlungen zu verschiedenen Zeiten: Die Ellingham Academy 1936, wo der erste Kriminalfall berichtet wird, und die Ellingham Academy in der Gegenwart. Durch die auktoriale Erzählweise wird die Geschichte distanziert, aber doch eindringlich geschildert. In den 30 Kapiteln mit den Rückblenden in die Ellingham Academy 1936 wird eine spannende Kriminalgeschichte entwickelt, wobei zwei Fälle (Gegenwart und Vergangenheit) miteinander verwoben werden und in der Hauptfigur Stevie eine engagierte Detektivin finden. Die Handlung im Jahre 1936 umfasst ein halbes Jahr, die Handlung in der Gegenwart wenige Monate.

Genutzt werden viele intertextuelle Verweise, vor allem auf Romanfiguren von Agatha Christie (S. 42) oder die Welt von Sherlock Holmes. So wird Stevie von ihrem Vater leicht spöttisch mit Sherlock verglichen (S. 43) und Stevie selbst sieht sich auch in seiner Tradition: „In ihrer Fantasy würde ihr Zimmer so oder so wie Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Baker Street aussehen – ein bisschen schäbig, aber dennoch elegant.“ (S. 53) Hinzu kommen Anleihen bei True Crime-Podcasts oder auch Tolkiens Frodo (S. 405).

Die Erzählinstanz hat einen guten Einblick in das Gefühlsleben von Stevie, bei den anderen Figuren bleibt sie ein wenig distanzierter. So wird zum einen Sympathie für die Hauptfigur, aber auch Spannung erzeugt. Der Zusammenhang von Begabung und geldlichem Vermögen wird an verschiedenen Stellen sehr deutlich herausgestellt. Die Ellingham Academy erweist sich als exklusiver Ort, an dem Stevie zunächst deplatziert wirkt. Sie ist zwar schlau und sehr gut informiert, gleichzeitig sind die anderen Mitschüler*innen viel selbstsicherer und bewegen sich anscheinend freier über den Campus. Für Stevie ist dies etwas, was sie noch erlernen muss. Dies zeigt sich auch in der sich anbahnenden Beziehung zu David (S. 260ff).

Didaktische Impulse

Der erste Roman der Trilogie bietet anregende Anknüpfungspunkte zur Bearbeitung im Unterricht. Hierzu zählt etwa die Rolle der Schule bei der Ausbildung der eigenen Interessen und Begabungen. Mit den Schüler*innen dürfte es spannend sein zu diskutieren, wie ihr selbst zusammengestellter Stundenplan aussehen könnte oder welche Projekte sie selbst verfolgen würden. Die mannigfaltigen Anspielungen auf Kriminalromane könnten inspirierend sein, sich selbst mit solchen Genres zu beschäftigen. Auch das Einbinden der Verhörprotokolle oder der Erpresserbriefe bietet die Möglichkeit, gestalterisch aktiv zu werden. Ein drängendes Thema ist der Zusammenhang von individuell zugeschriebener Begabung und sozioökonomischem Umfeld. Dies ist nicht nur für die Erziehungswissenschaft ein wichtiger Auftrag, sondern kann auch Fragen sozialer Ungleichheit in der Schule bearbeitbar machen.

(David Rott)

  • Alter: ab 13
  • Schlagwörter: Außenseiter, Bibliothek, Erfolg/Misserfolg, Familie, Fernsehen, Förderung, Freundschaft, Hobby, Interesse, Internet/Chat/Blog, Konflikte mit der Schule, Konflikte mit Eltern/Familie, Kriminalität, künstlerische Begabung, Leistung, Lektüre/Buch, Liebe, Literatur, naturwissenschaftliche Begabung, Nerd/Geek, Neue Medien, Politik, Schule, Sekundarstufe, Spezialkenntnisse, sprachliche Begabung, Sterben, Stereotype, Streber/in, Technik MINT, Tod, Ungleichheit, Wissbegier
  • Bewertung: sehr empfehlenswert
  • Medienart: Buch
  • Gattung: Detektivgeschichte, Erzählung/Roman, Jugendbuch, Jugendroman, Kriminalerzählung

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